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Objektivklassen im Einsatz: 70-200mm f/2,8

Dieser Artikel wurde bei 4Nature-Photographers veröffentlicht.

Mit dem heutigen Beitrag möchte ich eine kleine Serie starten und damit die wichtigsten Objektive meiner Fotoausrüstung beschreiben. Die Ausführungen dazu sollen herstellerübergreifend sein und sich vor allem dem Einsatzzweck der jeweiligen Objektivklasse widmen. Beginnen möchte ich mit dem 70-200mm f/2,8, welches eines meiner am meisten genutzten Objektive überhaupt ist.

Hinweis:

Dieser Artikel beschäftigt sich nicht mit einem konkreten Objektiv-Modell, sondern mit der ganzen Objektivklasse. Die hier genannten Einsatzbereiche treffen in der Regel auf alle Hersteller zu und  sollen auch möglichst übergreifend formuliert werden. Ob das eine Modell eines Herstellers nun in den Ecken schärfer ist als das eines Anderen oder stärker vignettiert etc. soll hier nicht weiter betrachtet werden. Auf Formulierungen wie „meistens“, „In der Regel“ etc. werde ich aus diesem Grund auch verzichten.

Des Weiteren möchte ich darauf hinweisen, dass dies lediglich meine ganz persönliche Ansicht wiederspiegelt. Andere Fotografen mögen das hier geschriebene ganz anders sehen, was natürlich immer von den eigenen Vorzügen und Vorgehensweisen abhängt.

Nun aber zum Objektiv:

 

 

Kurze Übersicht der wichtigsten Eigenschaften:

Positiv:

  • Optisch hervorragend
  • Sehr guter Autofokus
  • Für viele Einsatzbereiche geeignet
  • Robuste Bauweise
Negativ:
  • Groß
  • Schwer
  • Teuer

 

 

Warum nutze ich diese Objektivklasse?

In meinen Augen ist kaum eine Objektivklasse vielseitiger einsetzbar als ein 70-200mm f/2,8. Dabei sind es vor allen Dingen drei Bereiche der Naturfotografie, für welche ich dieses Objektiv nutze:

Action-Aufnahmen

Dies ist wohl die Königsdisziplin dieser Objektivklasse. Kaum ein anderes Objektiv ist derart gut dafür geeignet, schnell bewegende Motive im Bild festzuhalten. Anfliegende Vögel, Eichhörnchen im Wald,… genau dies sind die Stärken dieses Objektivs. Natürlich muss man aufgrund der recht kurzen Brennweite relativ nah an das Motiv herankommen, aber falls dies möglich ist, wird man mit extrem dynamischen Bildern belohnt. Die große Offenblende ermöglicht dabei auch das Fotografieren bei recht schlechten Lichtbedingungen, wenn andere Linsen schon längst unbrauchbare Ergebnisse liefern.

Anfliegender Tannenhäher
Nikon D850 | AF-S 2,8/70-200mm FL
100mm | f/2,8 | 1/1600sek | ISO2000

 

 

Nahbereichsfotografie

200mm Brennweite und eine Blende von 2,8 machen dieses Objektiv auch in der Nahbereichsfotografie hervorragend einsetzbar. An der absoluten Nahgrenze leidet zwar die Abbildungsleistung etwas, aber dies ist zu versmerzen. Insekten, Pflanzen und Naturdetails sind mit diesen Objektiven sehr gut zu fotografieren und auch ansprechende Spielereien mit dem Bokeh sind ohne Probleme möglich.

Kuhschelle im Abendlicht
Nikon D850 | AF-S 2,8/70-200mm FL
135mm | f/4 | 1/200sek | ISO64

 

 

Landschaftsdetails

Egal ob im Wald, an einem See oder von einer Anhöhe herunter: Manchmal ergeben sich die spannendsten Landschaftsbilder aus kleinen Ausschnitten. Auch hierfür ist das 70-200mm f/2,8 super geeignet. Dieser Einsatzbereich ist übrigens der einzige, bei welchem ich auch Telekonverter nutze. Ansonsten setze ich eher auf das Auflösungsvermögen der heutigen Sensoren und verkleinere den Bildausschnitt später am Rechner, falls notwendig.

Nebelmorgen im Elbsandstein
Nikon D850 | AF-S 2,8/70-200mm FL | TC-14EIII | Polfilter
230mm | f/9 | 1/160sek | ISO64

 

 

Alternativen

Natürlich gibt es gerade in diesem Brennweitenbereich eine Vielzahl an Alternativen, vor allem wenn man Festbrennweiten mit einbezieht. Diese möchte ich hier aber außer Acht lassen, denn dann müsste man hier wirklich eine Unmenge an Objektiven auflisten. Daher gehe ich nur auf die Zoomobjektive in diesem Bereich ein:

 

70-200mm f/4

In gewisser Weise ist dies der „Kleine Bruder“ der f/2,8 Version. Es ist leichter, kompakter, günstiger. Für die Landschaftsdetails ist es genauso gut geeignet wie das 2,8er. Im Nahbereich weisen diese Objektive meist sogar eine noch bessere Naheinstellgrenze auf, jedoch sind im Nahbereich Motive in schwierigen Umfeld aufgrund der kleineren Offenblende schwerer freizustellen. Im Bereich der Action-Fotografie fehlt hier natürlich eine volle Blende, diese muss in der Regel durch eine entsprechend höhere Iso ausgeglichen werden. Und genau dies ist der Grund, warum ich das 70-200mm f/4 nicht nutze. Wer hingegen auf leichtes Gepäck achten möchte, ist natürlich auch mit diesem Objektiv hervorragend bedient.

 

70-300mm

Für viele Fotografen ist dieses Objektiv der Einstieg in den Bereich der Teleobjektive. Es ist im vergleich zum 70-200mm f/2,8 kleiner, leichter, günstiger und bildet einen größeren Brennweitenbereich ab. Die Abbildungsleistung ist jedoch nicht ganz auf dem Niveau des 2,8ers. Dennoch nutze ich ein 70-300mm gerne für Bergtouren, wenn ich auf jedes Gramm Gewicht achten muss. Denn gerade für Landschaftsdetails ist auch das 70-300mm hervorragend geeignet.

 

100-400mm

Ob man sich im Telebereich für ein 70-200 f/2,8 oder ein 100-400mm entscheidet, ist wohl für viele Naturfotografen DIE Frage schlechthin. Zu diesem Problem kann ich natürlich nur Anhaltspunkte liefern. Das 100-400 ist für weit entfernte Objekte und Landschaftsdetails natürlich bedeutend besser geeignet als ein 2,8/70-200mm. In der Action-Fotografie verhält es sich aufgrund der bedeutend kleineren Offenblende natürlich genau anders herum. Anstatt mit einem 70-200mm f/2,8 und ISO 1600 müsste man für ähnliche Verschlusszeiten mit dem 100-400mm schon ISO6400 verwenden.

Im Nahbereich sind komplexe Situationen aus gleichem Grund schlechter zu meistern, jedoch kann man auch hier mit einem bedeutend größerem Arbeitsabstand scheue Insekten etc. fotografieren.

Ob man sich nun für ein 2,8/70-200mm oder ein 100-400mm entscheidet, würde ich daran festmachen, ob dieses Objektiv im Telebereich denn das einzige bleiben soll oder nicht. Falls noch eine längere Brennweite eingesetzt wird, würde ich klar zum 2,8/70-200mm tendieren. Falls es bei einem einzigen Objektiv bleiben soll, ist das 100-400mm wohl die bessere Wahl.

 

 

Fazit:

Ein 70-200mm f/2,8 ist eigentlich immer in meinem Fotorucksack zu finden. Dieses Objektiv macht einfach Spaß und ist ein absolutes Arbeitstier.

Felsen im Mondschein
Nikon D800E | AF-S 2,8/70-200mm VRII
 200mm | f/4 | 1/2sek | ISO640

 

 

Ausblick

Diese kleine Serie möchte ich in den kommenden Wochen noch wie folgt fortsetzen:

  • xx-35mm Weitwinkelzooms
  • 50mm Festbrennweiten
  • 100mm Makro-Objektive

Damit wären dann die wohl am meisten genutzten Objektive meiner Ausrüstung beschrieben.