Die Aufnahmen nächtlicher Landschaften üben auf den Betrachter immer einen besonderen Reiz aus. Dies liegt zum einen daran, dass nur die wenigsten Menschen Nachts draußen sind – und wenn dann in der Regel nicht, um Nachts die Landschaft zu bestaunen. Zum anderen liegt dies aber auch an den Möglichkeiten moderner Kameras, welche Dinge sichtbar machen, die für das Menschliche Auge verborgen sind. Ich möchte euch heute von meinen Erfahrungen im Bereich der Nachtfotografie hierzulande berichten.

Vorplanung
Die Vorplanung ist mitunter das Wichtigste bei Nachtaufnahmen. Dunkle Orte müssen gefunden, der Stand des Mondes und der Milchstraße beachtet werden. Über die theoretischen Hintergründe hierzu gibt es einen Berg an Fachliteratur. Da ich aber grundsätzlich aus der Fotografie keine Wissenschaft machen möchte, bediene ich mich hierzu der App „Photopills“. Mit dieser App können alle relevanten Parameter sehr einfach simuliert werden. Die folgenden Punkte zur Vorplanung möchte ich daher an dieser Stelle nur kurz anreißen.
Dunkle Orte suchen
Längst nicht alle Orte sind gleichermaßen dunkel. Auch die Nächte – vor allem im Sommerhalbjahr – können per se verschiedendunkel sein. Eine genaue Festlegung des Aufnahmeortes und der Aufnahmezeit sind daher unverzichtbar.
Was den Standpunkt anbelangt, sollte man verständlicherweise die Nähe von Großstädten meiden. Einen ganz guten Überblick liefern die Karten von https://www.lightpollutionmap.info. Hierbei ist zu bedenken, dass eine exakte Planung des Standortes „auf den Meter“ genau weder möglich noch notwendig ist. Viel wichtiger ist, dass man versucht, die gelb oder gar rot markierten Bereiche dieser Karte „im Rücken“ – also hinter sich zu haben. Denn wenn man exakt in die Richtung einer solchen starken Lichtverschmutzung fotografiert, sind mindestens 50-100km notwendig um diese nicht mehr im Bild zu haben. Das dürfte in Deutschland recht schwierig werden.
Hat man sich grob auf einen Standort festgelegt, muss man sich nur noch entscheiden, wann man denn fotografieren möchte. Hierfür sind zwei Aspekte zu beachten. Zum einen die sogenannte „Astronomische Dunkelheit“ und natürlich Ort und Phase des Mondes.
Auf die präzise Definitionen der Dämmerungsphasen und der Nacht möchte ich hier nicht weiter genauer eingehen und auf den dazugehörigen Wikipedia-Eintrag verweisen: https://de.wikipedia.org/wiki/Dämmerung. Grob gesagt kann man im Winter so ca. 45min nach Sonnenuntergang mit der Sternenfotografie beginnen, im Sommer sollte man schon 90min nach Sonnenuntergang abwarten (wobei in den Wochen um die Sommersonnenwende herum auch in Deutschland keine Phase der absoluten Dunkelheit eintritt).
Von immenser Wichtigkeit für die Vorplanung sind auch die Phase und der Stand des Mondes. In Neumondnächten ist der Sternenhimmel selbstverständlich am deutlichsten zu erkennen. Allerdings ist dann der Vordergrund auch annähernd schwarz. Daher bevorzuge ich die die Nächte bei denen der Mond zu ca. ¼ sichtbar ist. Dies ermöglicht einen dezent beleuchteten Vordergrund bei immer noch gut erkennbaren Sternen. Der Mond sollte natürlich auch im Rücken des Fotografen stehen, im Bild wäre er nur als weißer Fleck erkennbar. Und ähnlich wie beim Sonnenaufgang/Sonnenuntergang erzeugt vor allem ein gerade auf- bzw. untergehender Mond eine schöne Lichtstimmung.
Die Milchstraße
Nachtaufnahmen, in welchen die Milchstraße zu sehen ist, wirken natürlich besonders spektakulär. Da sich aber auch der Stand und die Sichtbarkeit der Milchstraße sowohl im Laufe des Jahres wie auch im Laufe einer Nacht deutlich ändern, ist auch hier eine präzise Vorplanung notwendig. Am interessantesten ist immer das helle Zentrum unserer Milchstraße. Grob gesagt ist das Zentrum der Milchstraße in unseren Breiten am besten von März bis Oktober zu beobachten. Im Frühling sieht man sie zum Ende der Nacht als „Bogen“ über dem Horizont stehend, im Herbst ist sie mehr oder weniger Kerzengerade zum Beginn der Nacht sichtbar. Die Milchstraße ansprechend in ein Bild mit ein zu bauen schränkt natürlich die Auswahl möglicher Locations noch weiter ein.

Ausrüstung
Um es kurz und bündig auf den Punkt zu bringen: Umso rauschärmer eine Kamera ist, desto besser und umso lichtstärker ein Objektiv ist, desto besser. Für mich persönlich bedeutet dies, dass ich auf Vollformatkameras aus dem Haus Nikon setzte (D800E, D750 und D850). Was die Objektive angeht, kommen bei meinen Nachtaufnahmen derzeit drei Linsen zum Einsatz: Das Nikon AF-S 1,8/20mm, das Walimex 2,8/12mm Fisheye und das Tamron 2,8/15.30mm VC. All diese Objektive liefern bereits bei Offenblende hervorragende Ergebnisse und decken auch den von mir gewünschten Brennweitenbereich ab. Das ein stabiles Stativ für die Nachtfotografie benötigt wird, ist naheliegend. Der wichtigste Ausrüstungsgegenstand ist in meinen Augen jedoch eine Stirnlampe, welche über eine Rotlicht-Funktion verfügt. Denn das Menschliche Auge benötigt mehrere Minuten, um sich von Hell auf Dunkel einzustellen. Dieses Umstellen ist jedoch bei Rotlicht nicht notwendig. Aus diesem Grund sollte die Rotlichtfunktion auch unbedingt aktivierbar sein, ohne zuvor die „normalen“ Modi durchschalten zu müssen. Diese Stirnlampe nutze ich lediglich, um sicher durch die Dunkelheit gehen zu können. Für die Bedienung der Kamera benötige ich diese nicht und auch wenn ich einen kleinen Lichtspot im Vordergrund setzen möchte, kommt die Stirnlampe nicht zum Einsatz. Für dieses Vorhaben verwende ich eine Smartphone-App welche mein Display farbig zum Leuchten bringt. Wenn man mit dem Handy dann hinter der Kamera „herumwedelt“ ist eine dezente Beleuchtung des Vordergrundes ohne Schlagschatten möglich.

Nachtfotografie vor Ort
Wenn die Vorplanungen soweit abgeschlossen sind und der Rucksack mit entsprechender Ausrüstung vollgepackt, geht es zuerst einmal darum, einen ansprechenden Bildausschnitt zu wählen. Wie auch bei „normalen“ Aufnahmen ist mir hierbei ein schöner Vordergrund extrem wichtig! Nur der Sternenhimmel über Baumwipfeln bzw. Bergen genügt mir in der Regel nicht. Die Suche nach einem solchen Vordergrund kann auch nicht durch eine App oder ein Programm abgenommen werden – dies muss man selbst vor Ort erledigen! Darum bietet es sich an, die für eine Nachtaufnahme ins Auge gefassten Locations zuerst einmal bei Tageslicht zu erkunden. Ist diese Suche erfolgreich beendet und kehrt man bei Nacht zur Location seiner Wahl zurück, geht es zuerst einmal darum, die Kamera einzustellen. Die ISO meiner Nikon FX-Kameras stelle ich meist auf 2500 ein und variiere dann – je nach Mondschein – etwas nach unten oder nach oben. Die Blende ist in der Regel vollkommen offen und auch die Spielgelvorauslösung ist mit 2sek aktiviert. Das Display stelle ich bereits im Vorfeld auf die niedrigste Helligkeitsstufe. Nun muss noch der korrekte Fokuspunkt eingestellt werden. Hierzu empfiehlt es sich, mittels Live-View einen markanten Stern an zu visieren und auf die100% Ansicht um zu schalten. Variiert man nun den Fokus so lange, bis dieser Stern möglichst punktförmig abgebildet ist, passt die Fokuseinstellung. Mit der Display-Wasserwaage kann dann auch die Ausrichtung der Kamera korrekt eingestellt werden. Nach einer ersten Testaufnahme justiere ich dann abschließend Brennweite und Bildausschnitt. Natürlich kann man mit einer High-Energy-LED das Umfeld komplett ausleuchten um bereits mit der ersten Aufnahme einen ansprechenden Bildausschnitt fest zu halten. Aufgrund der Dunkel-Adaptierung der Augen und auch aus Rücksicht auf die Natur bzw. andere Fotografen rate ich davon allerdings ab.
Erst wenn die Brennweite feststeht, entscheide ich mich für eine Belichtungszeit. Denn aufgrund der Erdrotation kann die Belichtungszeit nicht beliebig lange gewählt werden, wenn die Sterne noch Punktförmig abgebildet werden sollen. Die längst mögliche Belichtungszeit kann ganz grob nach der Formel „400 / Brennweite“ berechnet werden. Als Anhaltswerte kann man sich merken, dass mit 15mm Brennweite ca. 30sek lang belichtet werden kann, mit 20mm Brennweite ca. 20sek und mit 30mm ca. 12sek. Mit dem 2,8/12mm Fisheye sind hingegen ca. 50sek problemlos möglich. Hierdurch werden Sterne noch Punktförmig abgebildet und erscheinen nicht als Striche.

Statische Aufnahmen oder Nachführung?
Die zuvor genannten Belichtungszeiten sind für die Nachtfotografie nicht wirklich lang. Möchte man beispielsweise die Milchstraße noch deutlicher hervorheben, sind weitere technische Kniffe notwendig. Eine Möglichkeit ist eine sogenannte „Astro-Nachführung“. Dieses Motorgetriebe wird auf dem Stativ montiert und präzise Richtung Polstern ausgerichtet. Die Rotation der Erde kann dann ausgeglichen werden, was zumindest in der Theorie unbegrenzt lange Belichtungszeiten ermöglicht.
Da der Vordergrund beim Einsatz einer Nachführung vollkommen verschwommen ist, muss hierfür noch ein weiteres, unbewegtes Bild aufgenommen werden. Erst durch das Zusammenfügen der Sternenaufnahme und des Vordergrundes in Photoshop entsteht ein fertiges Bild.
Zugegeben, ich habe meine Astro-Nachführung lediglich wenige Male eingesetzt und seitdem liegt sie ungenutzt im Schrank, da mir dies einfach zu viel Aufwand ist. Eine andere Vorgehensweise erscheint mir deutlich eleganter und führt bei weniger Aufwand zu vergleichbaren Ergebnissen:
Ich baue Kamera und Stativ ganz normal auf, belichte so als würde ich eine Einzelaufnahme machen und wiederhole dies ca. 20-mal. Diese 20 Aufnahmen überlagere ich dann mit der Software „Deepskystacker“ ( http://deepskystacker.free.fr/german ). Die Bilder werden dann leicht rotiert überlagert, was zu einem geringen Verlust an Auflösung und einem verschwommenen Vordergrund führt. In dem so erhaltenen Tiff ist die Milchstraße dann allerdings sehr deutlich erkennbar.
Setzt man dieses Bild dann mit einer weiteren Aufnahme des Vordergrundes in Photoshop zusammen, erhält an eine Aufnahme welche sich nur minimal von der nachgeführten Aufnahme unterscheidet – wenn überhaupt! Allerdings ist der immense Technikeinsatz vor Ort jetzt nicht mehr nötig. Durch diese Technik lassen sich wirklich beeindruckende Ergebnisse erzielen und der Aufwand in der Nachbearbeitung klingt höher als er in Wirklichkeit ist – denn der Bearbeitungsablauf ist immer identisch und kann mit etwas Routine sehr schnell erledigt werden.

Fazit
Nachtaufnahmen erfordern in der Vorplanung, der Durchführung vor Ort und auch in der Nachbearbeitung in der Regel mehr Zeitaufwand wie „normale“ Aufnahmen. Ist dann aber eine schöne Aufnahme gelungen freut man sich verständlicherweise umso mehr. Aber auch wenn man aufgrund aufziehender Wolken oder ähnlichem ohne Bilder mitten in der Nacht nach Hause kommt – es ist immer ein tolles Erlebnis in der Dunkelheit und Stille draußen gewesen zu sein!












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